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Roman Lietz: Warum die Angst vor dem Aussterben der deutschen Sprache unbegründet ist

Die Mehrsprachigkeit geht nicht zu Lasten der autochthonen Bevölkerung, sondern zu Lasten derjenigen, die kein Deutsch sprechen. Was ist also dran an der Angst vor dem Aussterben der deutschen Sprache?

Wer aufmerksam durch deutsche Städte läuft, der vernimmt ein regelrechtes Sprachbabel. Gesprächsfetzen auf Englisch, Türkisch, Vietnamesisch oder Kurdisch dringen an unser Ohr. Menschen aus knapp 200 Staaten mit unzähligen Muttersprachen leben hier zusammen. Sie alle bilden gemeinsam mit der Mehrheit der deutschen Muttersprachler unsere Gesellschaft.

Sprachen, die miteinander in Kontakt stehen wirken aufeinander und beeinflussen sich. Was der Sprachwissenschaft als Nelde‘sches Gesetz bekannt ist („Kein Sprachkontakt ohne Sprachkonflikt“) stellt jede multikulturelle Gesellschaft unweigerlich vor eine soziale Herausforderung. Denn manche Menschen haben angesichts fremder Laute und Vokabeln eine diffuse Angst, dass sie als Deutschsprechende einmal in die Minderheit in Deutschland geraten könnten. Wie begründet ist diese Angst und ist das Phänomen der konkurrierenden Sprachen in einer Gesellschaft etwas Neues, geografisch und historisch Einzigartiges?

Mehrere Sprachen in einer Gesellschaft finden wir auf der ganzen Welt. Eine Ursache kann Einwanderung in den letzten Jahrzehnten sein. So ist z.B. eine türkischsprachige Community in deutschen, eine urdu-sprachige in englischen oder eine spanischsprachige in US-amerikanischen Großstädten entstanden. In diesen Fällen treffen die Einwandererkollektive mit ihren Sprachen auf das Kollektiv der Aufnahmegesellschaft mit der vorherrschenden Landessprache. Diese Mehrsprachigkeit ist allerdings eher instabil. Durch weitere Umzüge nach der Einwanderung sowie durch das Lernen der Amtssprache und vor allem durch Beschulung der Einwanderer und folgender Generationen ist es wahrscheinlich, dass sich die Einwandererkollektive sprachlich assimilieren und nur einen kleinen Einschlag in der Mehrheitssprache hinterlassen. So ist es zum Beispiel mit den so genannten „Ruhrpolen“ geschehen oder mit den Hugenotten in Berlin, die zunächst ihre eigene Sprache erhalten hatten, wovon heute – außer bei bestimmten Nachnamen wie Kuzorra oder de Maizière – nichts zu merken ist.

Mehrsprachigkeit kann aber auch Jahrhunderte überdauern. So finden wir aus ganz unterschiedlichen Gründen auf der ganzen Welt Gesellschaften, in denen seit vielen Generationen mehrere Sprachen ohne substantielle Mischung nebeneinander existieren. So zum Beispiel in der Schweiz (Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch), in Peru (Spanisch, Quechua), in Singapur (Malaiisch, Englisch, Tamil, Chinesisch) oder in Südafrika (elf amtliche Sprachen und zahlreiche nichtamtliche). Genau genommen gibt es wohl kaum einen Staat auf der Erde, der nicht zumindest regional unterschiedlich sprachige Kollektive vorzuweisen hat. Selbst Kleinststaaten wie Monaco (Französisch und Monegassisch) oder entlegene Inselstaaten wie Fidschi (Englisch, Fidschianisch und Fidschianisches Hindustani) haben zwei oder mehr unterschiedliche autochthone Sprachkollektive. Letzteres (Fidschianisches Hindustani) ist übrigens ein Beispiel für eine Mischsprache, die sich als neues Produkt aus dem Kontakt zwischen Englisch, Hindi und Fidschianisch ergibt.

Zwei- oder Mehrsprachigkeit ist in einem Sprachraum also völlig natürlich, sie zu ignorieren oder gar zu unterdrücken steht entgegen der normalen Evolution von Sprachen.

Natürlich wird das Thema Zwei- und Mehrsprachigkeit in sozialen Diskursen nicht so sachlich gesehen wie in der Linguistik. Das ist auch verständlich, schließlich erhält die eigene Sprache durch den Sprecher einen emotionalen Wert. Sprache ist ein wesentlicher Identitäts- und Kulturträger. Sprache macht uns zu einer Gruppe zugehörig und grenzt uns von denen ab, die nicht unsere Sprache sprechen. Sprache ist das Werkzeug, mit dem wir sozialisiert werden, das Medium, mit dem unsere Geschichte tradiert wird und das Mittel, mit dem wir Einfluss auf die Umwelt nehmen. Taucht eine fremde Sprache in unserem vertrauten Raum auf, wird diese als Gefahr empfunden, aus Sorge, wir könnten unseren angestammten Platz einbüßen. Dass diese Bedrohung gar nicht real ist, ist dabei unerheblich. Manch einer sorgt sich, er könnte bald als Deutschsprechender zum „Ausländer in Deutschland werden.“ Aber ist es nicht so, dass trotz türkisch-, arabisch- oder russischsprachiger Gemeinschaften in Deutschland kein Deutschsprechender in seinen Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe eingeschränkt ist? War es jemals auch nur in einer einzigen Situation in Deutschland nicht möglich, einzukaufen, Behördenanliegen zu klären, Arbeit zu suchen, einen Verein zu gründen oder politisch mitzuwirken, weil man mit Deutsch nicht weitergekommen ist? Das alles ging und geht einwandfrei, wenn man Deutsch spricht. Die Deutschsprachigen haben alle Teilhabemöglichkeiten in Deutschland. Die Mehrsprachigkeit geht nicht zu Lasten der autochthonen Bevölkerung, sondern zu Lasten derjenigen, die kein Deutsch sprechen. Die Mächtigen sind die, die Deutsch sprechen und die, die kein Deutsch sprechen sind die Ohnmächtigen.

Was ist also dran an der Angst vor dem Aussterben der deutschen Sprache?

Historisch betrachtet ist es nicht zwangsläufig so, dass die Einwanderersprache im Aufnahmeland hinter der Bedeutung der autochthonen Sprache zurücksteht. Wenn der Technologiestand der Einwanderer höher ist und sie in der Rolle des „Eroberers“ mehr strukturelle Macht haben, ist es durchaus denkbar, dass die Sprache der „Eroberer“ in einem Sprachraum zur dominanten Sprache wird. So war es auf der Iberischen Halbinsel nach der Einverleibung ins Römische Reich um 200 v. C. und so ist es in Argentinien im 16. Jhd. nach der Besiedlung durch die spanischen Kolonisatoren geschehen. In beiden Fällen wurden die indigenen Sprachen bis zur Bedeutungslosigkeit verdrängt.

Eine vergleichbare Verdrängung der autochthonen Sprache droht jedoch nicht für Deutschland im 21. Jahrhundert, denn sie geschieht nur bei großem Macht- und Technologievorsprung der Neuankömmlinge und schlecht ausgeprägtem Ausbau (Standardisierung, Schrift, Literatur) der autochthonen Sprache. Dies belegen auch die Beispiele aus Spanien oder Argentinien: Schon die nächsten quantitativ oder militärisch überlegenen Einwanderer – die Westgoten, die den Römern das heutige Spanien abnahmen, und die italienischen Einwanderer, die zahlenmäßig eine größere Immigrantengruppe in Argentinien stellen als die Spanier – gaben nach kurzer Zeit ihre mitgebrachte Sprache auf, welche bis auf wenige Einflüsse in dem Sprachraum heute komplett verschwunden ist. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass es sich so in einigen Generationen auch mit den heutigen Einwanderersprachkollektiven in Deutschland verhalten wird. Was machen wir bis dahin? Deutsch lernen, Deutsch lehren und uns nicht darüber ärgern, dass wir das Nachbargespräch in der U-Bahn nicht heimlich mithören können.

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