Start Positionen Pressemitteilung: Modelprojekt „Anonymisierte Bewerbungsverfahren“ - Wieder nur ein Schritt auf dem Parkett der Symbolpolitik!

Pressemitteilung: Modelprojekt „Anonymisierte Bewerbungsverfahren“ - Wieder nur ein Schritt auf dem Parkett der Symbolpolitik!

Zum Start des Modellprojekts der Antidiskriminierungsstelle des Bundes "Anonymisierte Bewerbungsverfahren" am 25.11.2010 erklärt das Forum der Brückenbauer:

Die Realität auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist dadurch geprägt, dass Menschen schon an der ersten Hürde zum Arbeitsplatz – also bei der Frage, ob sie überhaupt zum Bewerbungsgespräch eingeladen werden – scheitern, weil sie Diskriminierung ausgesetzt sind. Dies mussten uns weder irgendwelche Studien belegen, noch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Deshalb begrüßen wir es generell, dass die Antidiskriminierungsstelle des Bundes endlich aus dem Schlaf erwacht und angeht, wozu die Stelle geschaffen wurde, nämlich Antidiskriminierungspolitik konkret voranzutreiben. Hier bildet dieses Pilotprojekt einen ersten kleinen Gehversuch, der jedoch nicht ausreichend ist, wenn man es mit der Antidiskriminierung ernst meint:

1. Wozu ein Pilotprojekt, wenn der Beitrag von anonymisierten Bewerbungsverfahren zu mehr Chancengleichheit im Ausland zu Genüge bewiesen wurde? Wieder ein Schritt auf dem Tanzparkett der Symbolpolitik? Dass Politik sich gut auf dem Feld bewegen kann, haben wir in den letzten Jahren zu Hauf erlebt. Was wir brauchen sind endlich konkrete Schritte, wie beispielsweise die Verpflichtung zu anonymisierten Bewerbungsverfahren in allen staatlichen Organisationen.

2. Anonymisierte Bewerbungsverfahren sind kein Allheilmittel gegen Diskriminierung – schon gar nicht ohne flankierende Maßnahmen. Wir wollen, dass die Vielfalt auf den Straßen mindestens auch in den staatlichen Institutionen repräsentiert wird. Deshalb fordern wir, dass gleichzeitig zum Verfahren, in den Stellenanforderungen die Qualifikationen, die meist Menschen mit Migrationshintergrund mit sich bringen, Anerkennung finden. Auch das Thema Quoten muss in Deutschland offen diskutiert werden.

3. Das tägliche Gejammer vom Fachkräftemangel hängt uns zum Halse raus. Es zeugt von Schizophrenie, fehlende Fachkräfte zu beweinen und gleichzeitig vorhanden Potentiale und Verfahren, um diese Potentiale zur Geltung zu bringen, zu torpedieren. Nur so können wir uns die mäßige Beteiligung am Pilotprojekt erklären.Zukünftig brauchen wir Verpflichtungen auch für die Wirtschaft.

Mindestens aus eigenem Interesse muss in Deutschland anerkannt werden, dass Antidiskriminierungspolitik genauso zum Alltag gehören muss, wie die täglich erlebten Diskriminierungserfahrungen. Betroffen sind dabei nicht nur Mitglieder einer kleinen Minderheit. Die Fragen, ob man das vermeintlich falsche Geschlecht hat, ob man zu alt ist oder ob man einen komisch klingenden Namen hat, entscheiden öfter über eine Einladung, als objektiv prüfbare Qualifikationen.

Zu unserem Kommentar in der Tagesschau vom 25. November 2010 gelangen Sie durch einen Klick auf das folgende Bild:

 
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Brückenbauer


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